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Den Ursprung des Skispringens kann man heute mit relativ hoher Genauigkeit zurück verfolgen. Es waren wohl die Bergbauern der norwegischen Provinz Telemark, die zum Ende des 18. Jahrhunderts die umliegenden Hänge zur alpinen Skiabfahrt benutzten und dabei kleine Hügel und Geländeunebenheiten zu kurzen Sprungeinlagen nutzten. Norwegische Studenten im französischen Chamonix benutzten Scheunendächer während ihrer Abfahrten zu improvisierten Skisprüngen. Sie waren es auch, die den damaligen Sommer-Kurort Chamonix zu einem Mekka des Wintersports werden ließen.
Die ersten schriftlichen und bildlichen Quellen über das Skispringen stammen von dem holländischen Seeoffizier Cornelius de Jong. In seinem Buch 'Reizen naar de Kap' von 1796 berichtet er als Erster über eine norwegische Skikompanie, deren Soldaten mit Skiern über Scheunendächer und Holzhaufen sprangen und meistens in Heuhaufen landeten. Der nachweislich erste gemessene Sprung der Skigeschichte datiert aus dem Jahre 1808. Die gemessene Weite: 9,5 Meter. Der damalige Springer Leutnant Olaf Rye sprang hierbei lediglich über einen künstlich angelegten Schneehügel und nicht wie die heutigen Springer von einer Schanze. Die erste Schanze wurde erst 1879 im norwegischen Kristiania, dem späteren Oslo, errichtet und im selben Jahr mit dem Husebyhügel-Skirennen eingeweiht.
Der sicherlich berühmteste Skispringer dieser Zeit war der Norweger Sondre Norheim (1825-1917), der 1860 eine Weite von 30,5 Metern erzielte. Ein Rekord, der 33 Jahre lang ungebrochen bleiben sollte. Norheim war es auch, der eine alte Tradition brach, indem er als erster Skifahrer überhaupt Skibindungen verwendete und somit das Risiko des Verlierens eines Ski auf ein Minimum reduzierte. Das Springen wurde zur damaligen Zeit außerdem noch unter Zuhilfenahme eines Skistockes ausgeführt.
Mit der Zeit stieg das Interesse an den Telemarker-Skisprüngen immer weiter, so dass sich das Skispringen vom alpinen Abfahrtslauf trennte und sich zu einer eigenständigen Sportart entwickelte. Die ersten ausschließlichen Skisprung-Wettbewerbe wurden von 1879 bis 1891 auf dem Husebyhügel im norwegischen Kristiania ausgetragen. An der weltweit bekannten Holmenkollen-Anlage fand das Skisprung-Spektakel 1892 dann seine Fortsetzung.
1891 entstanden die ersten deutschen Skivereine in München und Todtnau (Schwarzwald). Die beiden Norweger Björnstad und Leif Berg traten 1905 in der Schweiz als erste Lehrmeister im Skispringen auf. Die erste Ski-Springer Schule der Welt wurde in Bad Mittendorf gegründet.
Auch in den USA waren es norwegische Auswanderer (zum Beispiel die Brüder Hemmesveit sowie der Holmenkollensieger Karl Hovelsen), die den nordischen Skisport bekannt machten und organisierten. Damals machte sich unter einigen norwegischen Skispringern der Trend bemerkbar, mit ihrer Sportart in den USA Geld zu verdienen. Sogar der damals angesehen beste und populärste Skispringer Sondre Norheim versuchte in der neuen Welt sein Glück, als er Ende des 19. Jahrhunderts in die USA auswanderte. Als Schauplatz für die gewagten Sprünge diente u.a. der berühmte Zirkus Barum & Bailey, der sein Publikum schnell für die neue Sportart aus Norwegen begeistern konnte. Für die Mehrheit der Zuschauer waren die Haltungsnoten allerdings von sekundärer Bedeutung, schließlich wollte man spektakuläre Sprünge sehen, bei denen hauptsächlich die Weite ausschlaggebend war. So ist es vielleicht auch zu erklären, dass der Ursprung einiger grundlegenden Entwicklungen der Sprungtechnik in den USA zu finden ist. Der Norweger Carl Hovelson baute 1912 in Steamboat Springs/USA außerdem den ersten Anlagenkomplex mit drei Schanzen. Die mit höheren Schanzentischen ausgestatteten Schanzen ermöglichten weitere Sprünge als auf den europäischen Anlagen, da die Springer nicht so schnell wieder nach unten fielen. Die Fallhöhe wurde angehoben und somit eine längere Flugphase ermöglicht. Der Begriff der Fallschanzen steht für diese frühe Phase der Sprunggeschichte. Das erste Reglement für den Bau von Schanzen gab der Internationale Ski-Verband erstmals 1936 heraus. Ziel war es, einheitliche Richtlinien für den Bau von Schanzen zu erreichen und somit auch einheitliche Wettkämpfe zu ermöglichen.
In Deutschland gab es Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls eine rasche Entwicklung im nordischen Skilauf. Unter anderem erregte 1912 der Deutsche Böhm-Hennes bei den norwegischen Skispielen am Holmenkollen erhebliches Aufsehen, als er den 4. Platz in der Nordischen Kombination belegt. 1914 stellte der Deutsche Edler von der Planitz mit 51,5 m auf dem Semmering den bestehenden Weltrekord von Omtvedt (NOR) ein.
Um 1920 widmete sich die Wissenschaft zum ersten Mal dem Skispringen. Der Schweizer Flugzeugingenieur Dr. Reinhard Straumann wollte 1926 mit seinem Kollegen Andreas Dächer den zu dieser Zeit vorherrschenden Flugstil revolutionieren. Mit lebensgroßen Nachbildungen der Sportler testete er die Strömungsverhältnisse. Man stellte fest, dass ein Anlegen der Arme wesentlich aerodynamischer ist und somit eine größere Weite erzielt werden kann. Leider setzte sich dieser Sprungstil erst Jahre später durch.
Seit den ersten Winterspielen 1924 in Chamonix gehört Skispringen zum olympischen Programm. Erster Sieger war der Norweger Jacob Tullin-Thams, der vor zwei weiteren Norwegern Gold gewann.
Deutschland war als Urheber des 1. Weltkrieges für die Olympischen Winterspiele 1924 nicht zugelassen.
Im gleichen Jahr wurde auch die Fèderation Internationale de Ski (FIS) in Chamonix gegründet.
Auch in Deutschland fand das Skispringen einen steilen Aufschwung. Davon zeugen die Erfolge des Sachsenmeisters Walter Glaß (Aschberg/Klingenthal), der 1927 (im vorolympischen Jahr) die Österreichischen und Schweizer Meisterschaften gewann.
1929 war es auch, als auf dem FIS Kongreß in Zakopane der Beschluß gefasst wurde, jährlich FIS-Rennen im Range von Weltmeisterschaften auszutragen. Das 1. FIS-Rennen fand in Oberhof (Thüringen) statt, bei dem Birger Ruud das Skispringen gewann. Nach dem 2. Weltkrieg fanden Skiweltmeisterschaften (SWM) bis 1984 jedes 2. Jahr statt. Damals wurden die Weltmeister auch noch im Rahmen der Olympischen Spiele ermittelt. Ab 1985 wurde die WM jeweils in den ungeraden Jahreszahlen durchgeführt und zu den Olympischen Winterspielen wurden keine Weltmeistertitel mehr vergeben.
Im Jahr 1936 sprang Sepp "Bubi" Bradl auf der Schanze in Planica als erster Mensch über 100m – ein Meilenstein der Skispprunggeschichte.
Mit der ständigen Weiterentwicklung des Skispringens ergab sich immer mehr die Notwendigkeit das ganze Jahr über trainieren zu können. Um dies zu ermöglichen belegte der ehemalige DDR-Trainer Hans Renner im thüringischen Zella-Mehlis zu Beginn der 50er Jahre erstmals eine Schanze mit Vinidurplatten. Den Springern wurde nun die Möglichkeit geboten, auf diesen bürstenartigen Platten der Sommerschanzen ganzjährig zu trainieren. Die Eigenschaften kamen denen einer gut präparierten Schneeschanze recht nahe. Neuere Generationen der Mattenbeläge des Aufsprunghügels bestanden aus Polypropylenfasern. Für die Anlaufspur werden Materialien wie PVC, Porzellan oder Glas verwendet, die mit Wasser überspült werden. Dadurch reduziert sich der Widerstand in der Reibung und die Ski gleiten besser durch die Spur.
Trotz positiver Entwicklung des Skisprunges in den mitteleuropäischen Ländern gab es bei Olympischen Winterspielen bis 1952 nur norwegische Siege. In diesem Jahr durfte auch Deutschland (BRD) erstmals nach dem Krieg wieder an den Olympischen Winterspielen teilnehmen. Toni Brutscher belegte dabei einen hervorragenden 4. Platz. Ab 1956 durften auch die Sportler der DDR in einer gesamtdeutschen Mannschaft bei Olympia an den Start gehen.
In den folgenden Jahren dominierten in den zunehmend Sportler aus der UdSSR, der DDR und der CSSR das Geschehen im Skispringen.. 1960 gewann mit dem Thüringer Helmut Recknagel erstmals bei Olympischen Winterspielen ein Mitteleuropäer die olympische Goldmedaille in Squaw Valley.
Obwohl der Ski-Verband FIS den Bau von größeren Schanzen als 80 Meter (K-Punkt) in den 30er Jahren verboten hatte, ignorierte der Ingenieur Stanko Bloudek dieses Verbot und baute in Planica die bekannte Skiflugschanze. Aufgrund des hohen Verletzungsrisikos und der enormen psychischen Belastung dauerte es allerdings noch nahezu zwei weitere Jahrzehnte, bis die FIS das Skifliegen als eigenständige Sportdisziplin anerkannte
1951 beschließen Emmerich „ Putzi“ Pepeunig aus Innsbruck, Franz Rappenglück aus Garmisch-Partenkirchen, Xaver Kaiser aus Oberstdorf und Andi Mischnitz aus Bischofshofen die Gründung der deutsch-österreichischen Vier-Schanzen-Tournee (VST). Der erste Tagessieg geht an Asgeir Doelplads, einen 20- jähriger Friseur aus Oslo. Erste Tourneesieger wird Sepp "Bubi" Bradl .1954/55 gibt es den ersten Tourneesieger ohne einen Tagessieg, es ist Hemmo Sivenionen aus Finnland.
In den 50er Jahren entdeckte auch das Fernsehen die Fasizination des Skispringens Am 01.01.1956 übertrug ARD zum ersten Mal das Neujahrsspringen. Aber auch die technische Entwicklung machte vorm Skispringen nicht halt. 1962 übernahm zum ersten Mal ein Computer die Weitenmessung.
Auch die Vielfalt der an Skisprungwettkämpfen teilnehmenden Nationen wurd ab den 60er Jahren größer. 1961/62 nammt zum ersten Mal ein ungarischer Springer an der VST teil, 1966/67 starten die Japaner, 1971/72 der erste erste Bulgare. 1979/1980 nahmen Springer aus insgesamt 19 Ländern an der VST teil, darunter sogar ein Spanier.
1972 wurde die Einführung von Skiflug-Weltmeisterschaften beschlossen. Die 1. WM wurde in Planica durchgeführt. Bereits seit 1934 hatten jährlich Skiflugveranstaltungen (bis 1950 ausschließlich in Planica) stattfgeunden. Ab 1950 waren weitere Skiflugschanzen gebaut worden (Oberstdorf, Kulm, Vikersund, Ironwood, Harrachov), auf denen nun abwechselnd Skiflugveranstaltungen bzw. Skiflugmeisterschaften ausgetragen wurden.
1982 wurde erstmals ein Mannschaftswettkampf in das Programm der Nordischen Skiweltmeisterschaften ausgenommen. Seit 1988 auch dieser auch Bestandteil des Olympischen Programmes ist. 2004 fand der erste Mannschaftswettkampf im Skifliegen statt.
1983 wurde die heute übliche Unterscheidung zwischen einer Normalschanze (90m), einer Grossschanze (120m) und einer Flugschanze (185m) festgelegt.
Eine rasante Entwicklung nahmen auch die Weitenrekorde beim Skispringen/-fliegen. Am 17. März 1994 flog Andreas Goldberger (AUT) als erster Mensch über 200m. Leider musste er dabei in den Schnee greifen, so dass Toni Nieminen aus Finnland die ausgesetzten Prämien erhielt. Der aktuelle Skiflugrekord liegt bei 239 m, gesprungen von Björn Einar Romoeren.
Bei der 50. Auflage der Vier-Schanzen-Tournee 2001/2002 gelang das bisher als nicht erreichbar geltende. Sven Hannawald gelang es als erstem und bisher einzigem Springer alle vier Springen der Tournee zu gewinnen. Damit war einer der größten Mythose der Tournee gebrochen
Bei der Tournee 2005/2006 gab es einen weiteren „Rekord“. Zum ersten Mal in der Tournee-Geschichte standen nach 4 Wettbewerben mit insgesamt 8 Springen 2 Springer ex aequo auf Rang 1 der Tourneewertung. Dieses „Kunststück gelang Janne Ahonen und Jakub Janda.
Auch in der Zukunft wird es sicher sehr interessant sein, die weitere Entwicklung des Skispringens mit ihrer Jagd nach immer größeren Weiten und immer neuen Rekorden zu beobachten.
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