Zauberformel BMI?



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@copy: Meininger Tageblatt 2004

Die physikalische Binsenweisheit „leicht fliegt weiter“ hat die Skisprungszene in den vergangenen Jahren ausufern lassen bis hin zum Motto „noch leichter fliegt noch weiter“.

Einige Athleten hatten ihn bereits überschritten, andere wandelten um ihn herum – dem schmalen Grad zwischen Essstörung und Magersucht. Die Internationale Skiföderation (FIS) führt nun für mehr Gerechtigkeit in diesen Sport und zugunsten der Gesundheit der Athleten den Body Mass Index (BMI) ein.

BMI = Gewicht geteilt durch Größe zum Quadrat

Denn die Sache mit dem möglichst geringen Körpergewicht, um möglichst weit, weiter, am weitesten zu fliegen, war mit Hilfe der bisher existierenden Regeln einfach nicht in den Griff zu bekommen. Das Wort „Hunger- Disziplin“ machte die Runde und schadete dem Image dieser Sportart zunehmend. Auch deshalb hatte der Österreicher Martin Höllwarth etwa bei der letzten Vierschanzentournee 2003/2004 gesagt: „Die Leichtgewichte müssten Bleiwesten tragen.“ Erfolgscoach Reinhard Heß aus Suhl, nunmehr Cheftrainer Nachwuchs im Deutschen Skiverband, hatte sogar gefordert: „Eine Altersbegrenzung von 18 Jahren bei Weltcup- Stars wäre sinnvoll“

Bei der Deutschen Meisterschaft in Oberstdorf am vergangenen Wochenende wurde die Zauberformel „Body Mass Index“ vorgestellt, die von nun an gelten soll. Dr. Ernst Jakob, Mannschaftsarzt des DSV- Skisprungteams, hat an der wissenschaftlichen Ausarbeitung des BMI für den Skisprung mitgewirkt und erklärt: „BMI ist das Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat. Für einen Skispringer ist der Wert von 18,5 die unterste Gewichtsgrenze. Wer aufgrund der Körperkonstitution und des Nahrungsstoffwechsels diesen Wert nicht erreicht, was in der gegenwärtigen Test- Messpraxis noch nicht vorkam, muss mit kürzeren Skilängen rechnen.“

Für den „Normal- Bürger“ im Alter von 18 Jahren ist beispielsweise ein BMI von 20- 25 in Ordnung. Jakob betont aber, dass „Untergewicht keine Krankheit ist, wenn es nicht durch Hungern provoziert wurde.“ Zum Vergleich: Der BMI bei hochgradieger Adipositas (Fettleibigkeit) liegt bei 97.

Dass der BMI ein gesünderes Essverhalten im Skispringen bringen wird, könnten folgende Zahlen aus der Untersuchung von Spitzenathleten belegen. 1987 betrug der BMI im Durchschnitt 21,8, im Jahr 1998 waren es 19,8 und drei Jahre später hieß der Wert 20. Das bedeutete also eine erlaubte Gewichtsreduzierung von sechs Kilogramm – von den Folgen bis in die vergangene Saison hinein ganz zu schweigen

Haben den die DSV- Springer Probleme mit dem BMI? Martin Schmitt aus Furtwangen, der bei 1,81 m Körpergröße 64 kg wiegt, meint: „Das spielt für mich keine Rolle. Ich bin von Natur aus ein schlanker Typ. Mein BMI liegt um die 19,75. Es gibt also noch Reserven.“ Der Oberhofer Stephan Hocke (1,77m/ 58kg) sagt: „Ich liege bei 18,47. Die paar fehlenden Gramm sind kein Problem.“ Die BMI- Werte sind auch für die Nordisch Kombinierer gültig. Ronny Ackermann vom Rhöner WSV (1,84m/ 70kg): „Das ist für uns kein Thema, da wir als Mehrkämpfer mehr aktive Muskelmasse brauchen. Mein Wert liegt wohl bei 20,7.“
Aber einen Haken hat es eben doch. Etwa 800 Wettkampfspringer hat der DSV, davon 700 im Kinder-, Schüler- und Jugendbereich. Beim Nachwuchs wird für jede Alterskategorie ein spezieller BMI angestrebt. Reinhard Heß, der in Bezug auf die Spitzenathleten voll hinter der neuen Regelung steht, meint: „Das hat einen bitteren Beigeschmack. Burschen und Mädchen, die schlank und rank sind, sollten sich wegen des BMI- Wertes nicht extra Kilos anfuttern. Andere wiederum sollten sich ihr Gewicht nicht abhungern. Nicht die Waage sollte im Vordergrund stehen, sondern die Freude am Skispringen.“



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