Selbst auf normalen Schanzen wird inzwischen mehr geflogen als gesprungen. Der aerodynamische Feinschliff birgt jedoch Risiken: Die Sportler sind windanfälliger denn je. So gehören Tests im Windkanal heute genauso zum Trainingsplan eines jeden Springers wie der Besuch in der Kraftkammer. Wo sonst Ingenieure die Karossen der Automobilindustrie auf die Höhe ihres Luftwiederstandes hin testen, setzen sich die Sportler Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde aus. Der Grund – während des kurzen Anlaufs auf der Schanze sollte ein Tempo von über 90 Km/H erreicht werden. Nur bei einer optimalen Anfahrtshocke, die so wenig wie möglich Luftwiderstand bietet, ist das möglich.
Neben der idealen Anfahrtshocke wird aber auch die ideale Flughaltung getestet. Dabei kommt es darauf an, ein möglichst großes Luftpolster zwischen Körper und Ski aufzubauen, welches den Springer auf der Schanze dann weit nach unten trägt. Außerdem wird zum Beispiel auch noch die Aerodynamik der Helme getestet.
Ganz einfach ausgedrück ist der Windkanal eine große Röhre, durch die ein konstanter Wind geblasen wird. Die Springer können, an einem Seil hängend, verschiedene Anfahrts- und Flugpositionen testen und damit die Körperlage herausfinden, die den geringsten Luftwiderstand bietet und somit am aerodynamischsten ist. Durch eine besondere Technik kann dabei auch noch die Luftströmung sichtbar gemacht werden, um die Arbeit zu erleichtern.
Die ersten Windkanaltests führte der schweizer Dipl-Ing. und Prof-Dr. Reinhard Strautmann (auch ein ehemaliger Springer)in den 20er Jahren durch. Hierzu nutzte er zuerst kleine Holzmännchen, die er in den Windkanal stellte. Später baute er immer größere Windkanäle und Anfang der 50er Jahre gestattete ihm die Schweizer Luftwaffe, in deren Windkanal Tests mit Springern durchzuführen. Sein Proband war der schweizer Springer Andreas Däscher. Gemeinsam entwickelten sie die Tropfentechnik, auch Däscher-Stil oder Fischtechnik genannt, welcher über mehrere Jahre im Weltcup gesprungen wurde.
Des weiteren erregte Anfang der 90er Jahre der Deutsche Wolfgang Kloster, Professor für Flugzeugtechnik, Aufsehen. Er hängte Barbiepuppen mit an den Füßen befestigten Brettern in einen Windkanal der FH München und wollte damit herausfinden, warum der V-Flugstil den Springer weiter trägt als die parallele Skierstellung.
Der größte Klima-Windkanal befindet sich zur Zeit im Wiener Arsenal.